Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der sich abzeichnenden Teilung Deutschlands mit der Einordnung in jeweils unterschiedliche, nicht kooperierende Wirtschaftssysteme war es notwendig, für das Gebiet der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) den Seeverkehr und die Fischerei wieder aufzubauen. Die Ausgangslage dafür war denkbar ungünstig. Nach der letzten bedeutenden Schifffahrtszeit für Rostock um das Jahr 1870 mit 378 Schiffen in Rostock war die Anzahl der Schiffe bis 1910 auf 45 gesunken und bis zum Ausbruch des Krieges lag die Anzahl durchschnittlich bei 35; Rostock war als Reedereistandort praktisch bedeutungslos. Ursache dafür waren die günstigere Ausgangslage der Nordseehäfen für den wichtigen Überseeverkehr und die schwache Industrialisierung in Mecklenburg und Vorpommern. 1945 waren an der gesamten Küste der SBZ lediglich zwei Schiffe vorhanden: der Dampfer Johann Ahrens (die ehemalige Grete Cords) mit 1.250 tdw und der Seeleichter Fortschritt mit 750 tdw, wobei die Johann Ahrens seit 1944 defekt in Wismar lag. 1950 hatte die Regierung der DDR beschlossen, diesen Dampfer wieder zum Handelsschiff aufzubauen, was dann im selben Jahr in der damaligen Staatswerft Stralsund durchgeführt wurde. Als Vorwärts fuhr der Dampfer ab dem 13. Oktober 1950 unter der am 1. Oktober 1949 gegründeten „Deutschen Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale“ (DSU), die eigentlich für die Binnenschifffahrt zuständig war.
Gründung
Die Deutsche Seerederei wurde am 1. Juli 1952 unter dem Namen „VEB Deutsche Seereederei Rostock“ (DSR) gegründet. Der Beginn war eigentlich mit der Vorwärts und dem Leichter Fortschritt eher symbolisch. Im Frühjahr 1954 waren beide Schiffe nicht mehr zu halten: Der Dampfer war nicht mehr zu reparieren und der Leichter ging an den Bergungsbetrieb. Bis zum Herbst 1954 war die DSR damit eine Reederei ohne Schiff. Im Herbst 1954 wurden als erste Schiffe die Dampfer Rostock und Wismar und das MS Stralsund in Dienst gestellt, Mitte 1955 folgten mehrere Kümos mit je 500 tdw. Einsatzgebiet waren Ostsee, Nordsee und Mittelmeer, transportiert wurden Güter des Außenhandels der DDR.
1955–1964
Im Zeitabschnitt ab 1955 bis 1964 wuchs die Anzahl der Schiffe auf 111, die eine Ladefähigkeit von über 700.000 tdw hatten. Davon stammten 54 aus DDR-Werften. In der DSR arbeiteten 1964 5.670 Mitarbeiter. Der Beginn war alles andere als einfach: durch den beginnenden Kalten Krieg, und den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik Deutschland war es schwierig, ausländische Partner für den Handel, aber auch die Versorgung und Ausrüstung der Schiffe in ausländischen Häfen zu finden. Eine finnische Reederei machte am 1. Januar 1956 den Anfang mit einem gemeinsamen Liniendienst zwischen Südfinnland und den DDR-Häfen. In den Jahren 1955 bis 1964 machte die DSR ihre bedeutendste Entwicklung durch. Nach anfänglichem Improvisieren und Lernen folgte der Ausbau zu einer weltweit agierenden Reederei. Ende 1962 konnte die Verwaltung ein repräsentatives Gebäude in der Rostocker Innenstadt in der Langen Straße beziehen, das aber 1974 auf Weisung der SED an den FDGB übergeben werden musste und von „Haus der Schiffahrt“ in „Haus der Gewerkschaften“ umbenannt wurde.
1977 waren im Register der Staatsreederei 203 Schiffe notiert. In der Hochzeit unterhielt der Betrieb 28 Liniendienste. Zum Stolze der Staatsführung der DDR, machten Frachter, der DSR in mehr als hundert Ländern und noch viel mehr Häfen fest. Die DDR konnte sich mit der umfassendsten europäischen Reederei brüsten.
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